Lieblingsorte: Metro Tscherkisowskaja/Lokomotiw

Es gibt immer wieder Orte, die mir auf Anhieb sympathisch sind, ohne dass ich das genau erklären kann. Einer davon ist die Metrostation Tscherkisowskaja in benachbarten Stadtteil Preobraschnskoje und ihre Umgebung. Zum ersten Mal aufgefallen ist mir diese Ecke schon, als ich mit Igor zu Wohnungsbesichtigungen unterwegs war. Insbesondere der gigantische Wohnlock auf der Bolschaja Tscherkisowskaja, der sechsspurigen Hauptstraße, hatte mich damals fasziniert.

So richtig entdeckt habe ich den Ort dann, als ich dort auf dem Weg zum Baumarkt Leroy Merlin umsteigen musste, als ich mir ein Schloss für meinen Briefkasten besorgen wollte. Von mir fährt der Bus 230 dorthin und hält auf der Brücke, die über die Bahnlinie führt. Dort verkehrt die Moskauer Ring-S-Bahn MCC, die auch mit Metrotickets benutzt werden kann. Die Haltestelle heißt Lokomotiw, nach dem benachbarten Fußballstadion. Sie teilt sich das Gebäude mit der Metrostation Tscherkisowskaja an der Sokolnitscheskaja-Linie.

Auf dem großen Platz vor der Station gibt es ein Ladenzentrum mit allerlei Geschäften und Imbissen. Bei Spielen von Lokomotive Moskau muss hier Halligalli herrschen. Das erzählte mit der Dönerverkäufer, als ich daran scheiterte, seinen doppelt gesicherten Getränkekühlschrank zu öffnen. Er erinnerte sich noch gut an die vielen deutschen Fans beim Spiel gegen Schalke letztes Jahr.

Hinter dem Stationsgebäude der Metro befindet sich gleich noch eins dieser kleineren, typisch russischen Einkaufszentren, Tscherkisowskij Passasch. Das Baujahr ist für mich bei diesen Malls oft schwer zu erraten, hier tippe ich grob auf die späten 90er. Drinnen gibt es viele kleine Läden für Klamotten, Sportartikel, Taschen, Haushaltswaren und im Erdgeschoss einen Lenta-Supermarkt, der so einen ganz besonderen Wohlfühlfaktor hat.

Auf der anderen Seite der Bahntrasse steht ein weiteres, gigantisches Einkaufszentrum namens Nowotscherkisowskij. Mit seiner typisch postsowjetischen Architektur, der beige-roten Fassade und den blau schimmernden Fenstern hat es sich sofort einen Platz in der Liste meiner Lieblingsgebäude in Moskau gesichert. Leider stet es zu großen Teilen leer, lediglich Büroräume werden genutzt, zu kaufen gibt es hier nichts mehr, wie ich feststellen musste. Ich versuche noch mehr darüber herauszufinden.

Im Osten von Ismajlowo

Hier kommen noch ein paar abendliche Bilder aus dem Ostteil der Perwomajskaja uliza in Ismajlowo. Dort befindet sich ein bemerkenswertes, leider geschlossenes Kino namens „Kinoteatr Perwomaiskij“. Der Bus trägt die Lackierung von Mostransawto, der Nahverkehrsgesellschaft in Podmoskowje, dem Moskauer Umland.

Vom Pendeln

Von meiner Wohnung in Ismajlowo bis zur Arbeit in der Stadt brauche ich etwa eine Stunde und zehn Minuten. Damit liege ich ungefähr im Moskauer Durchschnitt. Ich habe das Glück, dass ich nicht all zu früh dort sein muss, weshalb ich erst nach dem großen Andrang unterwegs bin. Die folgende Fotostrecke habe ich gemacht, als ich gegen 9:30 Uhr von zuhause los bin.

Bis zur Metrostation Perwomajskaja brauche ich etwa 15 Minuten zu Fuß. Wenn ich es eilig habe, kann ich auch eine der zahlreichen Buslinien nehmen, die auf der 9-ja Parkowaja verkehren. Es geht vorbei an Wohnhäusern, kleinen Geschäften und der alten Feuerwehrwache. Die Ampeln sind in ganz Moskau für Fußgänger und Autofahrer mit Sekundenanzeigen ausgestattet, was die alltägliche Hektik verstärkt, aber auch ungemein praktisch ist. Sind die Sekunden für Fußgänger bei Null angelangt, erhalten die Autofahrer sofort grün. Man ist also gut beraten, die Angaben ernst zu nehmen.

Was für Deutsche auch eher gewöhnungsbedürftig ist: An Kreuzungen haben die Fußgänger oft in alle Richtungen gleichzeitig grünes Licht, man kann also auch diagonal queren. Hat man als Autofahrer grün, muss man beim rechts Abbiegen auch nicht auf Fußgänger aufpassen, die haben in diesem Fall immer rot.

Die Metrostation Perwomajskaja, benannt nach der gleichnamigen Straße (Straße des 1. Mai), ist die vorletzte an der Arbatsko-Pokrowskaja-Linie, umgangssprachlich einfach die dunkelblaue Linie genannt. Die Nummern wurden erst zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 eingeführt und werden von Einheimischen in der Regel nicht benutzt. In der Rush Hour fahren die Züge im 90-Sekunden-Takt. Trotz dass es erst die zweite Haltestelle der Linie ist, sind die Züge meist schon völlig überfüllt. Das liegt dran, dass sich an er Endhaltestelle Schjolkowskaja ein großer Busbahnhof befindet, der für großes Fahrgastaufkommen aus den Außenbezirken sorgt.

Nach etwa 25 Minuten Fahrt bin ich an der Station Arbatskaja. Von dort führt ein Verbindungstunnel zur Station Biblioteka imeni Lenina an der Sokolnitscheskaja-Linie, die im Netzplan rot eingezeichnet ist. Hier muss ich noch drei Stationen weit bis zur Frunzenskaja fahren, was noch einmal etwa zehn Minuten dauert.

Am insgesamt recht beeindruckenden Stationsgebäude, das allerdings am Abend besser im Licht steht, faszinieren vor allem die typisch sozialistischen Mosaike unter dem Vordach.

Weiter geht es noch etwa zehn Minuten zu Fuß, vorbei am Perekrestok-Supermarkt, bei dem wir immer unser Mittagessen besorgen, an einem Theater, einer Militärbehörde und am imposanten Gebäude des russischen Staatsarchivs.

Nach etwas über einer Stunde bin ich am Ziel.

Moskauer Straßenbewässerung

Für Fremde erscheint es ziemlich kurios. Wenn es in Moskau hochsommerlich wird und das Thermometer auf 30 Grad und mehr steigt, sieht man allerorts Kleinlaster und Traktoren herumfahren, die Wasser auf die Straßen spritzen. Das hat dann zur Folge, dass es selbst bei trockenem Wetter recht schwül werden kann. Der eigentliche Zweck ist es, den Asphalt zu kühlen, um Hitzeschäden zu vermeiden.

Exploring Ismajlowo

Am Sonntag habe ich mich in meinem neuen Stadtbezirk umgeschaut. Ismajlowo geht auf eine altes Dorf zurück, das seit dem 14. oder 15. Jahrhundert existiert hat. Die erste schriftliche Erwähnung war 1571. Unter Zar Alexej I. entstanden auf einer künstlichen Insel in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ein Schloss und die bis heute erhaltene Fürbitte-Kathedrale. An dieser Hauptattraktion des Bezirks war ich bislang jedoch noch nicht. Es gibt auch einen Kreml in Ismajlowo, doch auch dazu mehr zu einem späteren Zeitpunkt.

Seihe heutige Gestalt nahm Ismaijowo im 20. Jahrhundert an. 1925 erreichte die Straßenbahn den Ort. Es entstanden bis zum Zweiten Weltkrieg zahlreiche Wohnsiedlungen mit Mehrfamilienhäusern, von denen noch heute viele erhalten sind. Dazwischen mischen sich Bauten aus Chruschtschows und Breschnews Zeiten sowie hier und da postsowjetische Wohnblocks. Der Bezirk ist recht grün, im Süden schließt direkt der Ismajlowski Park an, ein ausgedehntes, bewaldetes Erholungsgebiet mit mehreren Seen.

Direkt unten in meinem Haus befindet sich ein Lebensmittelladen, in der Straße gibt es noch mehr Geschäfte sowie ein Denkmal aus Sowjetzeiten, das keinerlei Anschrift trägt. Die Jetztzeit verkörpert die allgegenwärtige Kette Domino’s Pizza.

Die in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Straßen heißen alle Parkowaja Ulitsa und sind durchnummeriert, hier die neunte, die direkt zur Metrostation Perwomajskaja an der gleichnamigen Hauptstraße führt.

Auf der Perwomajskaja verkehren mehrere Straßenbahnlinien und der Trolleybus. In den Nebenstraßen hängen noch die Oberleitungen, doch die dortigen Trolleybuslinien wurden zugunsten von Dieselbussen stillgelegt. Außerdem ist die Perwomajskaja die Haupteinkaufsstraße des Bezirks mit zahlreichen kleinen Läden, Restaurants, Irish Pub und dem Einkaufszentrum Ismajlowskij. Das westliche Ende Ismajlowos markieren zwei markante hohe Häuser, die vermutlich aus den 1930e-Jahren stammen. Sie waren mir bereits aufgefallen, als ich mit Igor zur Wohnungsbesichtigung hierher gefahren war. Ebenfalls markant sind die beiden alles überragenden, weiß-braunen Wohnblocks. In deren unteren Geschossen befindet sich das besagte Einkaufszentrum.

Der Turm in der neunten Parkowaja Ulitsa gehört zu einer ehemaligen Feuerwehrwache, wie mir mein Kollege Nikolai verriet. An derselben Straße befinden sich auch das Einkaufszentrum Perwomajskij und ein Pjatjorotschka-Supermark in einem etwas eigenartigen Gebäude.

Bilder aus dem Park und von der künstlichen Insel folgen.

Nochmal um den Block

Am Mittwoch war abends traumhaftes Wetter, weshalb ich nach der Arbeit noch einmal planlos mit der Kamera loszog. Zunächst machte ich ein paar Busfotos an der Haltestelle vor der Haustür, ATS (Awtomatitscheskaja telefonnaja stanzia). Zu sehen gab es einen SVARZ-Trolleybus, einen LIAZ-Gelenkbus und eine Iveco-Marschrutka. Weiter die 26 Bakinskich Kommissarow hinauf, an der Kreuzung mit dem Leninskij Prospekt, waren mehrere architektonische Highlights zu entdecken. Noch aus Sowjetzeiten stammt das Gebäude, in dem sich die Raiffeisenbank befindet. Auf der gegenüberliegenden Seite der Kreuzung steht eine beeindruckende Wohnanlage, die auf den ersten Blick nach Brutalismus aussieht. Schaut man jedoch genau hin, entpuppt sich die Fassade als gekachelt. Der Bau dürfte recht jung sein und gefiel mir mit seiner Anlehnung an den Brutalismus der 1970er-Jahre ausgesprochen gut. Zurück ging es dann ein Stück durch den Troparewo-Beresowaja-Roschtscha-Park.

Kurz vor meinem Haus entdeckte ich noch einen mir bislang unbekannten Awoska-Supermarkt. Da ich ohnehin einkaufen wollte, ging ich gleich hinein. Beim Betrachten der obskuren Biersorten fragten mich zwei Damen, ob ich mich auskenne. Sie waren auf der Suche nach gutem deutschem oder tschechischem Bier. Ich denke, mit Spaten und Kozel waren sie ganz gut bedient. Selber erfreute ich mich an deutschen Bieren wie „Schlitz Premium Helles“, was wohl nur für den Exportmarkt produziert wird. Ebenfalls amüsant waren die Schnitzel „Minister Art“, wobei es sich um völlig banale panierte Schnitzel gehandelt hat.

Zuletzt machte ich noch ein Foto von meinem Haus, solange ich noch hier wohnte. Am Donnerstag sollte es dann auf Wohnungssuche gehen.

Jagd auf Tatras

Bei meinem letzten Besuch in Moskau im Februar hatte ich an der Wendeschleife bei der Metro Wojkowskaja noch einen Tatra-T3-Straßenbahnwagen gesehen, jedoch nicht mehr erwischt. Die Fahrzeuge aus tschechoslowakischer Produktion fuhren einst in unzähligen Städten von Magdeburg bis Taschkent, sind aber heute vor allem in Westeuropa rar geworden. Am Sonntag wollte ich schauen, ob ich nun mehr Glück haben würde. Die nächste Straßenbahnhaltestelle von meiner Unterkunft aus ist an der Universität, zwei Metrostationen stadteinwärts. Um etwas von der Stadt zu sehen, fuhr ich jedoch lieber mit der Trolleybuslinie M4 dorthin. Die hält hier direkt vor dem Haus. Das Wetter war etwas besser als am Samstag, jedoch immer noch durchwachsen.

Ich fuhr bis zum Lomonosowskij Prospekt und ging den Rest bis zur Wendeschleife an der Universität zu Fuß, immer den Gleisen entlang. Ich musste nicht lange auf einen Tatra warten und bald zeigte sich, dass hier mehr als die Hälfte aller Kurse mit den Klassikern gefahren werden. Zunächst mangelte es eher an gutem Licht.

Das erste, was mir bei Sonnenschein vor die Kamera kam, war ein 71-619A in Nationalfarben-Outfit. In der viergleisigen Wendeschleife standen dann gleich drei Tatras nebeneinander! Auf der anderen Straßenseite zog derweil ein Bauwerk mein Interesse auf sich, der 1971 eröffnete Große Moskauer Staatszirkus. Nachdem hier alles fotografiert war, entschied ich mich, ein paar Stationen zu fahren und an der nächsten schönen Stelle wieder auszusteigen.

Das war schon wenige hundert Meter weiter, an der Haltestelle Tschernomuschinski Rynok. Neben Tatras begegnete mir hier noch ein 71-619A in Latte-macchiato-Design. Später erfuhr ich von meinem örtlichen Bahnfreak-Kollegen Michail, dass diese Ecke eines der letzten Rückzugsgebiete der Tatras in Moskau ist und nirgendwo sonst so viele zum Einsatz kommen.

Auf dem Rückweg erblickte ich aus dem Fenster des Trolleybusses ein brutalistisches Gebäude, das ich mir näher ansehen wollte. Ich musste ein ganzes Stück zurück gehen und als ich davor stand, sah ich, dass es das Goethe-Institut war. Der Bau gefiel mir außerordentlich gut. Einen weiteren Stop machte ich bei der Shoppingmall „RIO“.

Zuletzt drehte ich noch eine Runde um den Block in der 26 Bakinskich Kommissarow, in der mein gegenwärtiges Zuhause ist. Vor dem Pjatjorotschka hatten, wie schon die letzten Tage, zwei Frauen ihren Kleidermarkt aufgebaut. Auf der Hinterseite des Ladenzentrums entdeckte ich den Eingang zu einem kleiden Biergeschäft, das allerdings geschlossen war. Doch dazu später mehr.

Um den Block

Nachdem ich eingecheckt hatte und kurz unter die Dusche gesprungen war, drehte ich eine Runde um meine Unterkunft. Direkt vor dem Haus befindet sich ein kleines Ladenzentrum mit Pjatjorotschka-Supermarkt und weiteren Geschäften. Keine 300 Meter weiter in Richtung Metrostation gibt es ein weiteres. Unten am Prospekt Vernadskogo steht ein beeindruckendes Wohnhochhaus, jenseits der Straße befindet sich eine der unzähligen Moskauer Shoppingmalls, „Avenue Southwest“.