Bei Mirèle im Powerhouse

Eigentlich hatte ich ja gedacht, das erste interessante Konzert für mich hier sei Luna Ende Juni, doch dann habe ich bei Facebook gelesen, dass Mirèle am Pfingstsonntag im Powerhouse auftritt. Die auch unter dem Namen Eva Gurari bekannte Sängerin war Teil des Duos My mit Daniel Shake. Zusammen hatten sie Elektropop-Hits wie „Wosmoschno“ (vielleicht) oder „Poljarnaja Swesda“ (Polarstern), die mal mehr nach 80er, mal mehr nach 90er klangen, klassische 808-Drums und analog anmutende Synthesizermelodien, die Texte stets auf Russisch. „Hit“ ist natürlich ein dehnbarer Begriff, mir ist in Russland nämlich noch niemand begegnet, der die Gruppe kannte.

Solo hat Mirèle mittlerweile zwei Alben veröffentlicht. „Ljubol“ war eher langsam und kantig, das jüngere „Renaissance“ deutlich tanzbarer und poppiger. Zuletzt gab es eine Duett mit Keril, „Samoljoti“ (Flugzeuge).

Das Powerhouse nahe der Metrostation Taganskaja im Zentrum der Stadt hätte auch in Berlin oder Fankfurt sein können. Ein Innenhof in Altbau-Umgebung mit Lampions, es gab Craft Beer, Club Mate und Fritz Cola. Mein Kollege Daniel hatte mich schon vorgewarnt, was die Geschwindigkeit der Barleute angeht, und er hatte nicht zu viel versprochen. Das Bier war schneller ausgetrunken als ein neues geholt war. Davon abgesehen eine recht nette Location. Es hat nichtmal Eintritt gekostet.

Der Garten hatte sich gut gefüllt, die jüngsten Fans kamen mit ihren Eltern, die meisten waren aber doch eher zwischen 25 und 35. Die Bühne befand sich auf der Dachterasse. Ein guter Teil der Leute kannte alle Texte und die Dämmerung über den Dächer der Altbauumgebung sorgte für eine schöne Sommerabendkulisse.

Es gibt ein YouTube-Video vom Auftritt, wenn auch nur ein Zusammenschnitt ohne Originalton. Ende Juni dann Luna!