Markus aus Dagestan

Am Freitag nach der Arbeit fuhr ich zur Jugo-Sapadnaja, um meine Sachen zu holen und mit dem Taxi nach Ismajlowo umzuziehen. Einen meiner Koffer hatte ich zum Glück noch gar nicht richtig ausgepackt, das sollte also schnell gehen. Ich schaute noch beim Bierladen vorbei, doch da war bereits alles ausverkauft. Als ich in die Wohnung kam, hatte ich schon wieder zwei neue Mitbewohner, ein Paar Anfang 30. Er stellte sich als Markus vor und wollte zuerst nicht genau sagen, wo er herkam. Er bot mir Bier und Chicken Nuggets an. Nach einer Weile stellte sich heraus, dass er aus Dagestan kam. Der Ruf der Dagestaner steht dem der Tschetschenen in nichts nach. Ich kenne Leute in Russland, die niemals einen Fuß nach Dagestan setzen würden. Vermutlich hätte ihn auch sein echter Vorname als einen Kollegen aus dem Nordkaukasus verraten. Als ich ihm erzählte, dass ich schonmal einen Tag in Machatschkala war, konnte er es kaum glauben. Seine Freundin Schanna kam aus Kirgistan. Wir tranken Bier und unterhielten uns eine Weile. Er arbeitete im Tiefbau und war hier auch nur für eine Nacht, dann ging es auf eine andere Baustelle. Auf Ramsan Kadyrow, den zweifelhaften Präsidenten Tschetscheniens, hielt er große Stücke. Außerdem müsse ich mir unbedingt einmal das wiederaufgebaute Grosny anschauen. Als das Bier ausging, holten wir neues bei Pjatjorotschka.

Gegen neun Uhr Abends bestellte er mir ein Taxi und half mir noch, die ganzen Taschen hinunterzutragen. Die Fahrt war eine schöne Gelegenheit, einmal etwas von der Stadt zu sehen, die ich ja sonst fast nur unterirdisch kenne. Nach etwa 40 Minuten war ich am Ziel. Der Fahrer half mir auch noch mit den Koffern bis zum Fahrstuhl und da war ich nun in meinem neuen Zuhause!