Limonaden-Freakshow

Was in russischen Supermarktregalen auffällt, ist die Vielfalt an teils obskur anmutenden Limonadensorten in allen möglichen und unmöglichen Geschmacksrichtungen und Farben. Nach einigen Wochen Selbstversuch kann ich sagen, dass das allermeiste davon recht gut schmeckt. Ein paar Nieten waren natürlich auch darunter. Hier eine völlig willkürliche Auswahl, von links nach rechts:

Marke: Tschernogolowka
Geschmacksrichtung: Baikal

Tschernogolowska ist ein recht junges Unternehmen aus dem Raum Moskau, dessen Produkte eher im oberen Preissegment liegen. Die Limonaden werden hauptsächlich in Glasflaschen verkauft, auch in Einliterflaschen. Im Sortiment sind vor allem Geschmacksrichtungen, die an Sowjetzeiten erinnern, so auch Baikal. Dabei handelt es sich um sowjetische Antwort auf Coca Cola, die in den 70ern entwickelt wurde. Ursprünglich sollen Süßholzwurzel, Koriandersaat und Lorbeer enthalten gewesen sein. Ob es nur an den Nadelbäumen auf dem Etikett liegt, kann ich nicht sicher sagen, aber der Geschmack erinnert an Tannennadeln. Läuft mir jedenfalls ziemlich gut rein.

Marke: Tschernogolowka
Gemschmacksrichtung: Tarchun

Tarchun kennt man vor allem aus Georgien, eine knallgrüne Estragon-Limonade. Würde stattdessen Waldmeister draufstehen, fände ich es auch nicht irritierend. Etwas süß, aber durchaus interessant.

Marke: Tschernogolowka
Geschmacksrichtung: Sajany

Sajany ist nach dem Sajangebirge im Süden Sibiriens benannt. Hauptgeschmacksrichtung ist die Saflor-Bergscharte, im Volksmund Hirschwurzel, die ebendort vorkommt. Sie soll verschiedene gesundheitsfördernde Stoffe enthalten, schmeckt allerdings gewöhnungsbedürftig. Insbesondere der Nachgeschmack erinnert stark an Topinamburschnaps, an dem sich bekanntlich die Geister scheiden. Wer Topi mag, sollte unbedingt einmal Sajany probieren. Alle anderen halten sich besser fern.

Marke: Tschernogolowka
Geschmacksrichtung: Wischnja

Hier handelt es sich schlicht um Kirschenlimonade. Warum gibt es das in Deutschland eigentlich nicht? Großartig.

Marke: Gost
Geschmacksrichtung: Tajoschnyj Doktor

Der Taigadoktor aus dem Hause Gost ist eine Kräuerlimonade, die an Almdudler erinnert. Enthalten sind Auszüge aus Hypericum, Süßholzwurzel und Eleutherococcus. Eine leichte Hustensaftnote ist nicht zu verleugnen, mir schmeckt es ziemlich gut.

Marke: Natachtari
Geschmacksrichtung: Krem Sliwki

Natachtari ist eine georgische Marke, die auch auf dem russischen Markt zu finden ist. Die Sorte Krem Sliwki/Cream Soda wird auch von anderen Herstellern angeboten und stammt ursprünglich aus Amerika. Im 19. Jahrhundert war wohl wirklich Ei und Sahne enthalten, heute eher Vanillearoma. Für deutsche Geschmacksnerven sehr irritierend, ich bin damit bislang nicht warm geworden.

Syrok Tworoschnij: russischer Quarksnack

Während die meisten Produkte in russischen Supermärkten recht vertraut sind und in gleicher oder ähnlicher Form auch in heimischen Regalen stehen, gibt es doch das eine oder andere, was in Deutschland überhaupt nicht bekannt ist. Ich stelle hier ab und an solche Lebensmittel vor.

Den Anfang macht Syrok Tworoschnij, eine Süßigkeit aus Quark, auf die mich Michail aufmerksam gemacht hat. Man findet sie im Kühlregal, meist neben Milchschnitte und Ähnlichem. Der mit Schokolade überzogene, gezuckerte Quark wurde wohl in den 1930er-Jahren in der Sowjetunion erstmal produziert und ist mit verschiedenen Füllungen zu haben. Hier links mit gezuckerter Kondensmilch, rechts mit Karamell. Kakao und Vanille sind bei der Marke Switlogorje ebenfalls im Angebot.

Der Geschmack ist säuerlich und erinnert an Käsekuchen. Mir ist auf dem deutschen Markt wirklich nichts in dieser Form bekannt. Bezeichnend ist zudem, dass es nicht einmal einen deutschen Wikipedia-Eintrag dazu gibt.

Bier holen auf Russisch

Am Montag nach der Arbeit schaute ich bei dem tags zuvor entdeckten Biergeschäft im örtlichen Ladenzentrum vorbei. Eine dunkle Treppe führt an der hinteren Ecke desselben hinunter in den Keller. Ein älterer Typ saß dort mit einem Bierglas am Tresen, ein jüngerer stand dahinter. Was sie für Sorten auf Lager hätten, fragte ich. Es gab neben dem allgegenwärtigen Schiguljewskoje auch ein IPA, „Irish Ale“, „Weiss Berg“ (vermutlich ein Weißbier) und diverses mehr. Als ich ihnen erzählte, dass ich aus Deutschland komme, meinten Sie, ich müsse unbedingt das Pils probieren. Also gut, einen Liter Pils und einen Liter Schiguljewskoje bitte! Für deutsche Gewohnheiten etwas befremdlich ist, dass das Bier aus der Zapfanlage in Plastikflaschen abgefüllt wird. Geschmeckt haben beide recht gut. Für russische Verhältnisse war das Pils tatsächlich recht herb, beide waren typisch süffig, wie man es in Russland gewohnt ist. Beim nächsten Mal werden die obskureren Sorten probiert.

Erster Einkauf

Am Nachmittag ging es noch schnell zu Pjatjorotschka, um ein paar Lebensmittel zu kaufen. Wasser, Bier, Kefir, Milch, Brot, Wurst, Käse und ein paar tschuwaschische Pralinen. Aus Neugier holte ich mir als Abendessen noch ein „Business Menü“. Man kennt diese Instantgerichte vor allem als Proviant bei Reisen mit russischen Nachtzügen, Nudelsuppe oder Kartoffelbrei mit Huhn oder Rind. Dank des dort stets vorhandenen Samowars lassen sie sich da einfach zubereiten. Hier war es Rindfleisch mit Nudeln und es kamen neben einer Glibbermasse sogar ein paar mikroskopische Filetstücke aus dem Alubeutel. Dazu abchasischer Rotwein „Cabernet Suchumskoje“. Geschmeckt hat es gar nicht so furchtbar wie es aussieht, doch noch am nächsten Morgen hat die Küche nach Glutamat gerochen. Sonntagabend gab es dann etwas Anständiges.