Touri-Rummel: der Kreml in Ismajlowo

Nur einige hundert Meter von der beschaulichen Ismajlower Insel entfernt befindet sich das krasse Gegenteil, der Kreml in Ismajlowo. Der Freizeitpark entstand zwischen 1998 und 2007 und ist der russischen Architektur des 17. Jahrhunderts nachempfunden. Neben einigen Museen gibt es unzählige Schaschlikstände, einen riesigen Markt für Souvenirs sowie am Wochenende auch einen Flohmarkt. Dort findet man nette Accessoires aus Sowjetzeiten oder auch einen Teller mit dem Rathaus von Herne. – Okay, den nicht mehr, der steht jetzt bei mir im Regal.

Ausflug in die Zarenzeit: die Ismajlower Insel

Am westlichen Ortsrand von Ismajlowo bildet das Flüsschen Serebrjanka einen kleinen Stausee mit einer künstlichen Insel. Hier stand einst ein Landgut der Romanows samt landwirtschaftlicher Versuchsanstalt, von dem sich nur wenige Reste erhalten haben. Noch in voller Pracht zu bestaunen ist dagegen die Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kirche aus dem späten 17. Jahrhundert. Trotz der Nähe zur Metro und zur Stadtautobahn sowie zum Rummel des Ismajlower Kremls ist die Insel ein Ort der Ruhe und Beschaulichkeit und lädt zum Flanieren oder auf der Wiese liegen ein.

Das Landgut entstand in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts unter Zar Alexej I. (1629–1676), der auch den Bau der Kirche veranlasste. Es bestanden zunächst zwei getrennte Teiche, der Serebrjanij Prud, benannt nach dem Flüsschen Serebrjanka, und der Winogradnij Prud. Letzterer hatte seinen Namen von den Weintrauben, die hier angebaut wurden. Durch die Verbindung der beiden Teiche zum Serebrjano-Winogradnij Prud, zu deutsch Silbertraubenteich, entstand die heutige Insel.

Zu Alexejs Zeiten wurde hier Rinder- und Schweinezucht betrieben, es gab Enten und Gänse, ein Bienenhaus, eine Windmühle und in Orangerien wurden ungewöhnliche Pflanzen gezogen.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts entwickelte sich das Gut Ismajlowo zunehmend zum Lustschloss, es fanden hier große Feiern statt. Peter der Große (1672–1725) hat einen Großteil seiner Kindheit her verbracht.

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Auf dieser Radierung von Aleksej Zubow ist die Ismajlower Insel mit Kirche, Brückenturm und Herrenhaus um des Jahr 1720 zu sehen.

Das Herrenhaus fiel schließlich Napoleons Russlandfeldzug 1812 zum Opfer. Damals wurde auch die Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kirche geplündert.

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Dieses Gemälde von Karl Bodri zeigt die Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kirche und den Brückenturm um 1830. Beide Gebäude sind bis heute erhalten.

Unter Nikolaj I. (1796–1855) wurde 1839 damit begonnen, ein Militär-Armenhaus für die Veteranen des Kriegs gegen Napoleon zu errichten. Auch diese Gebäude bestehen noch heute. Sie wurden direkt an die Kirche angebaut.

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Auf diesen Stichen von Oskar Maj sind die Gebäude im Zustand von 1875 zu sehen. Unten links kann man die Bauten des Armenhauses erkennen, welche ebenfalls noch heute vorhanden sind.

Drei Brücken führen auf die Insel, eine von der Bushaltestelle Glawnaja Alleja an der Perwomajskaja uliza, eine von der Straßenbahnhaltestelle Galereja Ismajlowo und eine aus Richtung der Metrostation Partisanskaja. Von dieser Brücke an der westilchen Seite kann man schon den nahegelegenen Kreml von Ismajlowo erspähen, der zwischen 1998 und 2007 erbaut wurde.

Im Gegensatz zum dortigen Kirmesgetümmel ist es auf der Ismajlower Insel beinahe ländlich ruhig. Eine kleine Eisbude vor der Kirche, drinnen kann man Souvenirs kaufen, das war’s.

Im Ismajlowskij Park

Im Süden schließt an Ismajlowo einer der Ismajlowskij Park an, einer der größten Stadtwälder Moskaus und ein beliebtes Naherholungsgebiet. Er umfasst etwa 1600 Hektar und ist von zahlreichen Fahrradwegen durchzogen. Es gibt mehrere Gewässer, darunter der Stausee Lebedjanskij Prud. Abseits der asphaltierten Wege führen viele kleine Trampelpfade durch den Wald. Im Westen des Parks soll es auch einen kleinen Rummelplatz mit Riesenrad und anderen Fahrgeschäften geben, dort war ich jedoch noch nicht.

Im Osten von Ismajlowo

Hier kommen noch ein paar abendliche Bilder aus dem Ostteil der Perwomajskaja uliza in Ismajlowo. Dort befindet sich ein bemerkenswertes, leider geschlossenes Kino namens „Kinoteatr Perwomaiskij“. Der Bus trägt die Lackierung von Mostransawto, der Nahverkehrsgesellschaft in Podmoskowje, dem Moskauer Umland.

Exploring Ismajlowo

Am Sonntag habe ich mich in meinem neuen Stadtbezirk umgeschaut. Ismajlowo geht auf eine altes Dorf zurück, das seit dem 14. oder 15. Jahrhundert existiert hat. Die erste schriftliche Erwähnung war 1571. Unter Zar Alexej I. entstanden auf einer künstlichen Insel in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ein Schloss und die bis heute erhaltene Fürbitte-Kathedrale. An dieser Hauptattraktion des Bezirks war ich bislang jedoch noch nicht. Es gibt auch einen Kreml in Ismajlowo, doch auch dazu mehr zu einem späteren Zeitpunkt.

Seihe heutige Gestalt nahm Ismaijowo im 20. Jahrhundert an. 1925 erreichte die Straßenbahn den Ort. Es entstanden bis zum Zweiten Weltkrieg zahlreiche Wohnsiedlungen mit Mehrfamilienhäusern, von denen noch heute viele erhalten sind. Dazwischen mischen sich Bauten aus Chruschtschows und Breschnews Zeiten sowie hier und da postsowjetische Wohnblocks. Der Bezirk ist recht grün, im Süden schließt direkt der Ismajlowski Park an, ein ausgedehntes, bewaldetes Erholungsgebiet mit mehreren Seen.

Direkt unten in meinem Haus befindet sich ein Lebensmittelladen, in der Straße gibt es noch mehr Geschäfte sowie ein Denkmal aus Sowjetzeiten, das keinerlei Anschrift trägt. Die Jetztzeit verkörpert die allgegenwärtige Kette Domino’s Pizza.

Die in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Straßen heißen alle Parkowaja Ulitsa und sind durchnummeriert, hier die neunte, die direkt zur Metrostation Perwomajskaja an der gleichnamigen Hauptstraße führt.

Auf der Perwomajskaja verkehren mehrere Straßenbahnlinien und der Trolleybus. In den Nebenstraßen hängen noch die Oberleitungen, doch die dortigen Trolleybuslinien wurden zugunsten von Dieselbussen stillgelegt. Außerdem ist die Perwomajskaja die Haupteinkaufsstraße des Bezirks mit zahlreichen kleinen Läden, Restaurants, Irish Pub und dem Einkaufszentrum Ismajlowskij. Das westliche Ende Ismajlowos markieren zwei markante hohe Häuser, die vermutlich aus den 1930e-Jahren stammen. Sie waren mir bereits aufgefallen, als ich mit Igor zur Wohnungsbesichtigung hierher gefahren war. Ebenfalls markant sind die beiden alles überragenden, weiß-braunen Wohnblocks. In deren unteren Geschossen befindet sich das besagte Einkaufszentrum.

Der Turm in der neunten Parkowaja Ulitsa gehört zu einer ehemaligen Feuerwehrwache, wie mir mein Kollege Nikolai verriet. An derselben Straße befinden sich auch das Einkaufszentrum Perwomajskij und ein Pjatjorotschka-Supermark in einem etwas eigenartigen Gebäude.

Bilder aus dem Park und von der künstlichen Insel folgen.

„Jetzt bist du Moskauer.“

Ich fuhr am Freitag früh mit der Metro nach Ismajlowo zur Schlüsselübergabe. Die erste Miete und den Rest der Provision sollte ich in bar mitbringen. Igor kam auch dazu. Als ich bei der Sberbank dann das Geld abheben wollte, machte sich erstmal Panik breit: maximaler Auszahlungsbetrag für Fremdkunden 7.500 Rubel. Na toll, damit kam ich nicht weit. Ich rief Igor an, der konnte auch noch etwas beisteuern. Bei der Fora-Bank bekam ich gar nichts, weil mein Verfügungsrahmen angeblich überschritten war. Wir versuchten es noch vergeblich bei einer anderen Sberbank-Filiale, dann war es auch schon Zeit. Für die Provision hatten wir immerhin genug zusammen.

Ksenija erwartete uns in der Nachbarwohnung, die ihnen offenbar auch gehörte. Mit einem Schoßhund auf dem Arm öffnete sie die Tür. Alexander füllte den Mietvertrag aus. Dass ich die Miete nicht dabei hatte, war überhaupt kein Problem. Nur fuhr Ksenija bald in die Türkei, weshalb sie mir die Nummer einer Freundin gab. Ihr sollte ich das Geld bis nächsten Mittwoch übergeben. Alles völlig unkompliziert. In einer halben Stunde waren wir fertig. Ich hielt den Schlüssel in der Hand, Ksenija gab mir den Code für die Haustür. „Jetzt bist du Moskauer“, sagte Igor im Aufzug.

Auf Wohnungssuche – einfacher als gedacht

Igor von der Arbeit hatte für mich schon etwas herumtelefoniert und mir dankenswerterweise angeboten, mich bei den anstehenden Besichtigungsterminen zu begleiten. Am Donnerstagnachmittag sollte es losgehen. Zunächst hatte ich mich bei der Sichtung der Angebote eher auf den Südwesten konzentriert, doch auf Anraten der Kollegen schaute ich nun auch im Nordosten, in Ismajlowo und Preobraschenskoje. Dort waren die Mieten etwas günstiger, wenngleich diese Viertel auch ein ganzes Stück weiter außerhalb liegen. Auf den einschlägigen Portalen hatten mich schon vor Monaten die Hinweise „nur für Slawen“ irritiert, die bei einer Großzahl der Anzeigen zu lesen waren. Russische Bekannte hatten mich schon beruhigt, das würde sich nicht gegen Europäer richten, sondern gegen Migranten aus Mittelasien, Tadschikistan, Usbekistan und so weiter. Die würden die Wohnungen oft in desolatem Zustand hinterlassen und ganze Großfamilien in Zweizimmerwohnungen unterbringen. Auch Tschetschenen seien natürlich gefürchtet. Nun habe ich immerhin einen slawischen Vornamen. Wie es jemandem ergehen kann, der durch seinen Namen und seine Herkunft weniger im Vorteil ist, kann man hier lesen. Als ich einer Bekannten sagte, dass so ein Hinweis in Deutschland einen mittlerer Skandal auslösen könnte, antwortete sie: „Wir Russen sind eben direkt.“

„Kannst du auch jetzt schon?“, fragte Igor kurz nach Mittag. Wir hatten schon bald einen Termin in Ismajlowo. Ich packte meine Sachen und wir gingen zur Metro. Igor hatte sein Auto in der Nähe bei der Kurskaja geparkt, dorthin hatte er auch die Maklerin gelotst. Es war ordentlich heiß, die Sonne brannte herunter, man konnte kaum etwas auf dem Handydisplay sehen. Nach kaum zwei Minuten kam Ekaterina, unsere Maklerin, um die Ecke. Sie war wohl Mitte 40, trug ein Blumenkleid und Sandaletten, dazu blau-weiß melierte Fingernägel und ein tapsiger Gang. Sie war mir gleich sympathisch. Wir gingen zu Igors Auto, das eine ganze Strecke weit entfernt geparkt war. Zusammen ging es dann auf einer Stadtautobahn bis Ismajlowo, vorbei an bis zu 30-stöckigen Wohnblocks, Gewerbegebieten und am Stadion von Lokomotive Moskau. Das Haus, ein neunstöckiger Wohnblock aus Ziegelstein, vermutlich aus den 1960er-Jahren, befand sich an einer vierspurigen Straße, auf deren Mittelstreifen sich ein mit Baumreihen gesäumter Fußgängerweg befand. Es war nur wenig Verkehr.

Im Hausflur roch es ziemlich modrig, man konnte meinen, sei Katzendreck, aber es war vermutlich die Kanalisation. Die Wohnung befand sich in der vierten von neun Etagen – nach russischer Zählung. Wie in vielen anderen Ländern auch, zählt hier das Erdegeschoss als die 1. Eine hübsche blonde Frau in Hauskittel und Badeschlappen öffnete die Tür. Die Wohnung, ein Zimmer mit Kochnische und Bad, hatte ihren einstigen Sowjet-Charme offenbar bei einer Renovierung in den vergangenen 15 Jahren eingebüßt. Dafür war sie recht wohnlich, Kunststofftapeten mit Ornamenten, eine Seite beige, eine braun, PVC-Boden in Holzoptik, Küchenmöbel mit Buchenfurnier. In der Kochnische hatte sich noch eine kleine Fläche mit hellgrünen und weißen Kacheln aus der Entstehungszeit erhalten. Das Bad war sauber und es gab einen kleinen, hölzernen Loggia-Balkon.

Igor gab mir zu verstehen, dass die Wohnung auf jeden Fall nicht schlecht sei für den Preis. Es stellte sich heraus, dass die Frau nicht selbst die Besitzerin war. Die Wohnung gehörte ihrem Mann, der jedoch beruflich in Kiew war. Sie konnte die Dokumente, die den Besitz nachgewiesen hätten, nicht finden und wurde unsicher, verlor sich in endlosen Monologen, von denen ich nur einen Teil verstand. Es wurde aber schnell klar, dass sie mir die Wohnung geben würde, sie fand mich offenbar vertrauenswürdig. Ekaterina und Igor hatten da allerdings bei ihr zunächst so ihre Zweifel. Wir telefonierten noch mit Aleksandr, dem Kollegen von Ekaterina, während uns Ksenija, die Frau des Besitzers, weiter Geschichten erzählte. Im Aufzug konnte Ekaterina kaum das Lachen unterdrücken, Ksenija hatte eine etwas bizarre Show abgeliefert. Es war klar: Würde sie die Dokumente finden, würde die Wohnung in jedem Fall in Betracht kommen. Wir brachten Ekaterina noch zur Metro und hatten dann eine ganze Weile Zeit bis zum nächsten Termin.

Dunkle Schrankwände, Teppich überall

Igor schlug vor, auf dem nahegelegenen Markt etwa zum Essen zu besorgen. Es begann langsam gewittrig zu werden. Auf dem Weg vom Auto zum Markt kehrten wir nochmal um, um Regeschirme mitzunehmen. Keine schlechte Entscheidung. Kaum waren wir an den ersten Ständen, brach es auch schon los. Und wie! Wir flüchteten uns unter die Markise eines Fischstands und warteten, bis der Guss vorüber war. Dann rüber zum Bäckerei, Piroggen mit Kräuterfüllung holen. Während wir dort aßen, ging es wieder los. Innerhalb von Sekunden war der Platz wie leer gefegt, nach einer Weile hatten sich regelrechte Seen gebildet.

Die zweite Maklerin war deutlich jünger und von der etwas derberen Sorte, in einem knappen schwarzen Kleid mit transparentem Überrock, dazu High Heels. Sie hatte uns eine ganze Reihe an Wohnungen zu zeigen. Die erste befand sich ein Stück näher am Zentrum in Preobraschenskoje, doch weiter von der nächsten Metrostation. Ein Plattenbau aus den 1970ern an einer Hauptstraße, die Wohnung war im Erdgeschoss. Die mutmaßliche Besitzerin war gerade dabei, das Bad zu putzen, es roch streng nach Chlorreiniger. Das Wohnzimmer war recht groß, doch eine massive dunkle Schrankwand wirkte erdrückend. Die Küche hatte eine kleine Sitzecke mit Holzbänken, fast etwas alpin-landhausmäßig. Bezahlbar, praktischer Grundriss, aber wohl gefühlt hätte ich mich hier nicht, eher etwas deprimierend.

Also weiter. Es wurde nicht besser. In einem Wohnblockviertel nahe der besagten Stadtautobahn war die nächste Option. Wieder eine Erdgeschosswohnung. Ein älterer Typ machte auf, der Fernseher lief. Alles war mit Teppich ausgelegt, sogar die Küche. Die Wohnung war recht groß, aber auch ziemlich desolat und dreckig wie die Sau. Vor allem sah es aus, als würde der Kerl da selber wohnen oder als sei der eigentliche Bewohner nur gerade Zigaretten holen gegangen. Trashige Deko-Accessoires auf dem Wohnzimmerschrank, überall irgendwelches Zeug. Hier mussten wir uns nicht lange aufhalten.

Nun fuhren wir zurücknach Ismajlowo, dieses Mal in den Süden, wo der riesige Ismajlovskij Park anschließt. Zunächst gab es zwei Wohnungen im selben Hochhaus, das vermutlich aus den 1990ern stammte. Ein Hausverwalter, der gut Englisch sprach, führte uns durchs Haus. Allerdings verirrten wir uns unterwegs, er probierte eine Weile mit dem Schlüssel herum, bis jemand feststellte, dass wir im falschen Stockwerk waren. Die Wohnungen waren fast identisch, nur eine mit Teppich, eine mit PVC-Boden. Auch hier eine Sitzecke in der Küche, beide ganz passabel und recht weit oben, achte und neunte Etage etwa. Ich hatte diejenige ohne Teppich ernsthaft in Betracht gezogen, bis ich den Preis erfuhr. Auch wenn wir ihn noch um 2.000 Rubel heruntergehandelt hätten, das war nicht drin. Schade.

Schick, doch nicht bezahlbar

Ein paar Straßen weiter dann wieder so ein Block aus den 1970ern oder frühen 1980ern, direkt am Rand des Parks. Die Wohnung im 6. Stock mit herrlicher Aussicht, eine Einbauküche mit Holzdekor, alles recht passabel. Doch auch hier ein gutes Viertel über dem, was ich mir als Obergrenze gesetzt hatte. Zwischenzeitlich hatte Aleksandr angerufen. Ksenia hatte tatsächlich die fehlenden Dokumente gefunden. Außerdem wollte er uns später noch eine weitere Wohnung in Preobraschenskoje zeigen. Ich hatte ohnehin die ganze Zeit zu der ersten Wohnung tendiert. Ksenija mochte etwas speziell sein, aber doch eigentlich in Ordnung.

Vorher gab es noch eine weitere Wohnung zu besichtigen, bei der schon klar war, dass sie zu teuer sein würde. Doch unsere Maklerin hatte uns schon angemeldet. Dieses Mal war es ein Haus aus Stalins Zeiten. Wir dachten zuerst an die 1930er-Jahre, doch der Hausverwalter erzählte uns, dass es in der Nachkriegszeit von deutschen Kriegsgefangenen gebaut worden war. Es hatte Charme. Ein Treppenhaus mit hölzernem Geländer. Die Wohnung war beinahe etwas orientalisch gestaltet, viel Gold, hohe Decken, ein eigentümlicher Grundriss. Ansprechend, aber eben nicht bezahlbar.

Nun mussten wir eine Weile auf Aleksandr warten, es war schon gegen acht Uhr abends. Ich hatte mittlerweile beschlossen, die erste Wohnung in Ismajlowo zu nehmen, wenn diese letzte nichts sein würde. Die war dann zwar ganz passabel, doch auch wieder so eine Erdgeschosswohnung. Meine Entscheidung stand.

Wir regelten alles direkt hier am Parkplatz. Aleksandr rief Ksenija an, ich gab ihm eine Anzahlung für die Provision, bekam eine Quittung und wir verabredeten uns am nächsten Morgen um zehn vor der Wohnung.

Jetzt durfte nur nichts mehr schief gehen.


Im Verhältnis zu Deutschland sind die Kautionen in Russland verhältnismäßig niedrig. Sie betragen in der Regel eine Monatsmiete, manchmal auch weniger. Ich musste gar keine Zahlen. Die allermeisten Wohnungen werden über Makler vermietet. Die Provision kostet meist eine Monatsmiete.