Wenn schon kein neuer Content

Schon acht Woche kein neuer Beitrag! An Ideen hat es nicht gemangelt, aber im Sommer hat man dann doch meist besseres zu tun, als nach der Arbeit auch noch am Blog zu schreiben. Ob der nahende Herbst zu mehr Content führt, wird sich zeigen.

Als Ersatz sei hier auf ein paar Beiträge auf anderen Seiten hingewiesen. Die ersten beiden Teile des Berichts von meiner Sibirienreise im Juli sind bei Drehscheibe Online zu finden, Tscheboksary und Omsk. Fünf weitere sind in Planung.

Außerdem gibt es noch ein paar Artikel für die Moskauer Deutsche Zeitung, die von Interesse sein könnten, etwa über die Moskauer Trolleybusse oder den angeblich gefährlichen Stadtteil Goljanowo, der direkt bei mir um die Ecke ist.

Im Osten von Ismajlowo

Hier kommen noch ein paar abendliche Bilder aus dem Ostteil der Perwomajskaja uliza in Ismajlowo. Dort befindet sich ein bemerkenswertes, leider geschlossenes Kino namens „Kinoteatr Perwomaiskij“. Der Bus trägt die Lackierung von Mostransawto, der Nahverkehrsgesellschaft in Podmoskowje, dem Moskauer Umland.

Vom Pendeln

Von meiner Wohnung in Ismajlowo bis zur Arbeit in der Stadt brauche ich etwa eine Stunde und zehn Minuten. Damit liege ich ungefähr im Moskauer Durchschnitt. Ich habe das Glück, dass ich nicht all zu früh dort sein muss, weshalb ich erst nach dem großen Andrang unterwegs bin. Die folgende Fotostrecke habe ich gemacht, als ich gegen 9:30 Uhr von zuhause los bin.

Bis zur Metrostation Perwomajskaja brauche ich etwa 15 Minuten zu Fuß. Wenn ich es eilig habe, kann ich auch eine der zahlreichen Buslinien nehmen, die auf der 9-ja Parkowaja verkehren. Es geht vorbei an Wohnhäusern, kleinen Geschäften und der alten Feuerwehrwache. Die Ampeln sind in ganz Moskau für Fußgänger und Autofahrer mit Sekundenanzeigen ausgestattet, was die alltägliche Hektik verstärkt, aber auch ungemein praktisch ist. Sind die Sekunden für Fußgänger bei Null angelangt, erhalten die Autofahrer sofort grün. Man ist also gut beraten, die Angaben ernst zu nehmen.

Was für Deutsche auch eher gewöhnungsbedürftig ist: An Kreuzungen haben die Fußgänger oft in alle Richtungen gleichzeitig grünes Licht, man kann also auch diagonal queren. Hat man als Autofahrer grün, muss man beim rechts Abbiegen auch nicht auf Fußgänger aufpassen, die haben in diesem Fall immer rot.

Die Metrostation Perwomajskaja, benannt nach der gleichnamigen Straße (Straße des 1. Mai), ist die vorletzte an der Arbatsko-Pokrowskaja-Linie, umgangssprachlich einfach die dunkelblaue Linie genannt. Die Nummern wurden erst zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 eingeführt und werden von Einheimischen in der Regel nicht benutzt. In der Rush Hour fahren die Züge im 90-Sekunden-Takt. Trotz dass es erst die zweite Haltestelle der Linie ist, sind die Züge meist schon völlig überfüllt. Das liegt dran, dass sich an er Endhaltestelle Schjolkowskaja ein großer Busbahnhof befindet, der für großes Fahrgastaufkommen aus den Außenbezirken sorgt.

Nach etwa 25 Minuten Fahrt bin ich an der Station Arbatskaja. Von dort führt ein Verbindungstunnel zur Station Biblioteka imeni Lenina an der Sokolnitscheskaja-Linie, die im Netzplan rot eingezeichnet ist. Hier muss ich noch drei Stationen weit bis zur Frunzenskaja fahren, was noch einmal etwa zehn Minuten dauert.

Am insgesamt recht beeindruckenden Stationsgebäude, das allerdings am Abend besser im Licht steht, faszinieren vor allem die typisch sozialistischen Mosaike unter dem Vordach.

Weiter geht es noch etwa zehn Minuten zu Fuß, vorbei am Perekrestok-Supermarkt, bei dem wir immer unser Mittagessen besorgen, an einem Theater, einer Militärbehörde und am imposanten Gebäude des russischen Staatsarchivs.

Nach etwas über einer Stunde bin ich am Ziel.

Tatra-Wagen im Modell

Ich hatte ihn schon auf dem Rückweg von der Schlüsselübergabe in einem Kiosk an der Metrostation Perwomajskaja gesehen und ich musste ihn haben. Ein Tatra T4 im Maßstab 1:54.

Nochmal um den Block

Am Mittwoch war abends traumhaftes Wetter, weshalb ich nach der Arbeit noch einmal planlos mit der Kamera loszog. Zunächst machte ich ein paar Busfotos an der Haltestelle vor der Haustür, ATS (Awtomatitscheskaja telefonnaja stanzia). Zu sehen gab es einen SVARZ-Trolleybus, einen LIAZ-Gelenkbus und eine Iveco-Marschrutka. Weiter die 26 Bakinskich Kommissarow hinauf, an der Kreuzung mit dem Leninskij Prospekt, waren mehrere architektonische Highlights zu entdecken. Noch aus Sowjetzeiten stammt das Gebäude, in dem sich die Raiffeisenbank befindet. Auf der gegenüberliegenden Seite der Kreuzung steht eine beeindruckende Wohnanlage, die auf den ersten Blick nach Brutalismus aussieht. Schaut man jedoch genau hin, entpuppt sich die Fassade als gekachelt. Der Bau dürfte recht jung sein und gefiel mir mit seiner Anlehnung an den Brutalismus der 1970er-Jahre ausgesprochen gut. Zurück ging es dann ein Stück durch den Troparewo-Beresowaja-Roschtscha-Park.

Kurz vor meinem Haus entdeckte ich noch einen mir bislang unbekannten Awoska-Supermarkt. Da ich ohnehin einkaufen wollte, ging ich gleich hinein. Beim Betrachten der obskuren Biersorten fragten mich zwei Damen, ob ich mich auskenne. Sie waren auf der Suche nach gutem deutschem oder tschechischem Bier. Ich denke, mit Spaten und Kozel waren sie ganz gut bedient. Selber erfreute ich mich an deutschen Bieren wie „Schlitz Premium Helles“, was wohl nur für den Exportmarkt produziert wird. Ebenfalls amüsant waren die Schnitzel „Minister Art“, wobei es sich um völlig banale panierte Schnitzel gehandelt hat.

Zuletzt machte ich noch ein Foto von meinem Haus, solange ich noch hier wohnte. Am Donnerstag sollte es dann auf Wohnungssuche gehen.

Abendlicher Bahnfreak-Ausflug mit Michail und ein georgisches Gelage

Als ich am Dienstag von der Arbeit kam, schrieb mir Michail, den ich schon von früheren Aufenthalten in Moskau kannte, ob ich Lust auf eine kleine Fahrt mit dem neuen „Ivolga“ hätte. Eigentlich war mir eher nach Chillout, doch das Angebot konnte ich auch nicht ausschlagen. Wir verabredeten uns am Kiewer Bahnhof, wo wir vergangenen Winter schon einige Fotos gemacht hatten.

Der „Ivolga“ (Pirol) ist ein elektrischer Nahverkehrstriebzug der Twerer Waggonfabrik, der seit 2017 auf Moskauer Vorortlinien im Einsatz ist. Michail ist ein großer Fan russischer Ingenieurskunst und pries in aller Ausführlichkeit die Vorzüge des „Ivolga“ gegenüber dem von Siemens entwickelten „Lastotschka“ (Schwalbe), der auf der Moskauer Ringlinie MCC (Moscow Central Circle) zum Einsatz kommt.

Wir gingen auf den Bahnsteig, wo der Zug schon bereit stand, um um 20:07 Uhr nach Nowoperedelkino abzufahren. Nachdem wir Fotos gemacht hatten und gerade in Richtung Fahrkartenautomaten aufbrachen, öffnete der Fahrer sein Fenster und begann Michail anzumotzen, ob er ihn nicht hätte fragen können, wenn er ihn fotografiere. Beim nächsten Mal würde er ihn verprügeln und seine Kamera smashen. Es folgte eine längere Diskussion, Michail versuchte zunächst zu beschwichtigen und erklärte ihm, dass man ihn auf dem Foto gar nicht erkenne. Als er ihm schließlich das Foto zeigen wollte, erwiderte der aufgebrachte Fahrer, er wolle es gar nicht sehen und knalle genervt das Fenster zu. Michail war etwas aufgebracht. Fotografieren auf Bahnhöfen ist in Russland jedenfalls legal und an sich auch kein Problem. Der Mann hatte wohl einfach einen schlechten Tag.

Wir zogen uns Tickets und gingen zurück zum Zug. Die etwas über 20 Minuten lange Fahrt ging zunächst die Hauptstrecke in Richtung Brjansk entlang. Michail referierte über die Federung der Drehgestelle. Nach dem vorletzten Bahnhof Solnetschnaja bog unser Zug auf die Stichstrecke nach Nowoperedelkino ab, die erst vor einigen Jahren im Personenverkehr eröffnet wurde und vorher nur Güterzügen gedient hatte. Auf dem zweiten Gleis stand schon der Zug der Gegenrichtung bereit und fuhr bald ab. Bei unserem Zug gingen die Frontscheinwerfer in Richtung Kiewer Bahnhof an, der nette Fahrer hatte also schon den Führerstand gewechselt. Besser kein Foto machen. Zur Not, meinte Michail, habe er ein Mittel gegen solche „Gopniks“ dabei und zeigte auf eine Dose Pfefferspray in seiner Tasche. Muss sich normal nicht das Zugpersonal vor rabiaten Fahrgästen schützen und nicht umgekehrt? Ich fand, er übertrieb es ein wenig. Zurück in die Stadt fuhren wir mit dem Bus der Linie 707 bis zur Metrostation Troparjowo an der Sokolnitscheskaja-Linie, an der auch meine Station Jugo-Sapadnaja liegt. Wir fuhren allerdings zuerst noch ein Stück stadtauswärts, da mir Michail die 2016 eröffnete Station Rumjanzewo zeigen wollte. Diese erinnert etwas an die Werke Piet Mondrians und begeisterte mich sofort.

Als ich dann in meine Unterkunft kam, hatte ich einen neuen Mitbewohner, einen Georgier, der seit über 20 Jahren in Spanien lebte. Er hatte seinen Kumpel zu Besuch, der hier um die Ecke wohnt und die beiden waren gerade am Essen herrichten, was ich nun ebenfalls vor hatte. Sie boten mir von ihrem Wodka an und wir hatten einen lustigen Abend. Die beiden passten perfekt in mein Bild, demzufolge die Georgier das trinkfreudigste und geselligste Volk der Welt sind. Wir tranken auf Tiflis, auf Deutschland, auf unser Treffen und was sonst noch. Sie planten, im Lauf der Woche mit dem Auto bis nach Tiflis zu fahren und luden mich direkt ein, mit ihnen mitzukommen. Wie gerne hätte ich das gemacht! Doch das war weder mit meiner Arbeit noch mit meinem Visum vereinbar. Als die Flasche Parliament halb leer war und der spanische Käse und Schinken verspeist waren, legten wir uns schließlich schlafen.

Jagd auf Tatras

Bei meinem letzten Besuch in Moskau im Februar hatte ich an der Wendeschleife bei der Metro Wojkowskaja noch einen Tatra-T3-Straßenbahnwagen gesehen, jedoch nicht mehr erwischt. Die Fahrzeuge aus tschechoslowakischer Produktion fuhren einst in unzähligen Städten von Magdeburg bis Taschkent, sind aber heute vor allem in Westeuropa rar geworden. Am Sonntag wollte ich schauen, ob ich nun mehr Glück haben würde. Die nächste Straßenbahnhaltestelle von meiner Unterkunft aus ist an der Universität, zwei Metrostationen stadteinwärts. Um etwas von der Stadt zu sehen, fuhr ich jedoch lieber mit der Trolleybuslinie M4 dorthin. Die hält hier direkt vor dem Haus. Das Wetter war etwas besser als am Samstag, jedoch immer noch durchwachsen.

Ich fuhr bis zum Lomonosowskij Prospekt und ging den Rest bis zur Wendeschleife an der Universität zu Fuß, immer den Gleisen entlang. Ich musste nicht lange auf einen Tatra warten und bald zeigte sich, dass hier mehr als die Hälfte aller Kurse mit den Klassikern gefahren werden. Zunächst mangelte es eher an gutem Licht.

Das erste, was mir bei Sonnenschein vor die Kamera kam, war ein 71-619A in Nationalfarben-Outfit. In der viergleisigen Wendeschleife standen dann gleich drei Tatras nebeneinander! Auf der anderen Straßenseite zog derweil ein Bauwerk mein Interesse auf sich, der 1971 eröffnete Große Moskauer Staatszirkus. Nachdem hier alles fotografiert war, entschied ich mich, ein paar Stationen zu fahren und an der nächsten schönen Stelle wieder auszusteigen.

Das war schon wenige hundert Meter weiter, an der Haltestelle Tschernomuschinski Rynok. Neben Tatras begegnete mir hier noch ein 71-619A in Latte-macchiato-Design. Später erfuhr ich von meinem örtlichen Bahnfreak-Kollegen Michail, dass diese Ecke eines der letzten Rückzugsgebiete der Tatras in Moskau ist und nirgendwo sonst so viele zum Einsatz kommen.

Auf dem Rückweg erblickte ich aus dem Fenster des Trolleybusses ein brutalistisches Gebäude, das ich mir näher ansehen wollte. Ich musste ein ganzes Stück zurück gehen und als ich davor stand, sah ich, dass es das Goethe-Institut war. Der Bau gefiel mir außerordentlich gut. Einen weiteren Stop machte ich bei der Shoppingmall „RIO“.

Zuletzt drehte ich noch eine Runde um den Block in der 26 Bakinskich Kommissarow, in der mein gegenwärtiges Zuhause ist. Vor dem Pjatjorotschka hatten, wie schon die letzten Tage, zwei Frauen ihren Kleidermarkt aufgebaut. Auf der Hinterseite des Ladenzentrums entdeckte ich den Eingang zu einem kleiden Biergeschäft, das allerdings geschlossen war. Doch dazu später mehr.