Jagd auf Tatras

Bei meinem letzten Besuch in Moskau im Februar hatte ich an der Wendeschleife bei der Metro Wojkowskaja noch einen Tatra-T3-Straßenbahnwagen gesehen, jedoch nicht mehr erwischt. Die Fahrzeuge aus tschechoslowakischer Produktion fuhren einst in unzähligen Städten von Magdeburg bis Taschkent, sind aber heute vor allem in Westeuropa rar geworden. Am Sonntag wollte ich schauen, ob ich nun mehr Glück haben würde. Die nächste Straßenbahnhaltestelle von meiner Unterkunft aus ist an der Universität, zwei Metrostationen stadteinwärts. Um etwas von der Stadt zu sehen, fuhr ich jedoch lieber mit der Trolleybuslinie M4 dorthin. Die hält hier direkt vor dem Haus. Das Wetter war etwas besser als am Samstag, jedoch immer noch durchwachsen.

Ich fuhr bis zum Lomonosowskij Prospekt und ging den Rest bis zur Wendeschleife an der Universität zu Fuß, immer den Gleisen entlang. Ich musste nicht lange auf einen Tatra warten und bald zeigte sich, dass hier mehr als die Hälfte aller Kurse mit den Klassikern gefahren werden. Zunächst mangelte es eher an gutem Licht.

Das erste, was mir bei Sonnenschein vor die Kamera kam, war ein 71-619A in Nationalfarben-Outfit. In der viergleisigen Wendeschleife standen dann gleich drei Tatras nebeneinander! Auf der anderen Straßenseite zog derweil ein Bauwerk mein Interesse auf sich, der 1971 eröffnete Große Moskauer Staatszirkus. Nachdem hier alles fotografiert war, entschied ich mich, ein paar Stationen zu fahren und an der nächsten schönen Stelle wieder auszusteigen.

Das war schon wenige hundert Meter weiter, an der Haltestelle Tschernomuschinski Rynok. Neben Tatras begegnete mir hier noch ein 71-619A in Latte-macchiato-Design. Später erfuhr ich von meinem örtlichen Bahnfreak-Kollegen Michail, dass diese Ecke eines der letzten Rückzugsgebiete der Tatras in Moskau ist und nirgendwo sonst so viele zum Einsatz kommen.

Auf dem Rückweg erblickte ich aus dem Fenster des Trolleybusses ein brutalistisches Gebäude, das ich mir näher ansehen wollte. Ich musste ein ganzes Stück zurück gehen und als ich davor stand, sah ich, dass es das Goethe-Institut war. Der Bau gefiel mir außerordentlich gut. Einen weiteren Stop machte ich bei der Shoppingmall „RIO“.

Zuletzt drehte ich noch eine Runde um den Block in der 26 Bakinskich Kommissarow, in der mein gegenwärtiges Zuhause ist. Vor dem Pjatjorotschka hatten, wie schon die letzten Tage, zwei Frauen ihren Kleidermarkt aufgebaut. Auf der Hinterseite des Ladenzentrums entdeckte ich den Eingang zu einem kleiden Biergeschäft, das allerdings geschlossen war. Doch dazu später mehr.

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